Wahlen in Österreich: Was wir alles mitbestimmen können/sollen/müssen
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Demokratische Betätigungsmöglichkeiten in Österreich
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(TOP 50 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Wahlen in Österreich: Was wir alles mitbestimmen können/sollen/müssen (Broschiert) "Entscheidend bist du" nennt sich die noch von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer gestartete Initiative, welche gewissermaßen als Kontrastprogramm zur Verlängerung künftiger Nationalratslegislaturperioden auf 5 Jahre, das Wahlalter auf 16 Jahre senkte und die politische Bildung der österreichischen Jugend verbessern sollte. Ein entscheidender Schritt dahin, ist die Einführung des Fachs "Geschichte und politische Bildung" in der achten Schulstufe.

Andrea Heigl und Philipp Hacker klären auf, über Wahlarithmetik, die etablierten Parteien und wie Wahlen auf Gemeinde-, Landes-, Bundes- und EU-Ebene ablaufen, ebenso wie näher auf die Politik im kleinen, also Schüler- und Studentenvertretungen eingegangen wird. Mit zahlreichen Statistiken und Ländervergleichen lassen die Autoren den Blick auch über den österreichischen Tellerrand hinausschweifen und erklären etwa die markanten Unterschiede zwischen Bundespräsidenten in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Großbritannien und den USA.

Dabei ist der sehr leicht verständlich und locker gehalten, um nicht durch hochtrabendes Dozieren potentiell politisch Interessierte von vornherein abzuschrecken, denn "Wer sich in der Schulpolitik engagiert, darf sich nicht erwarten, die Welt oder auch nur die eigene Schule von heute auf morgen zu verändern. Das heißt keineswegs, dass es keinen Sinn hat, sich zu engagieren: Viele Sachen lassen sich verändern - und wer sich nicht engagiert, versucht es nicht einmal. Jedes Engagement ist auch eine Erfahrung - selbst wenn es oft keine sichtbaren oder zählbaren Ergebnisse gibt." (S. 34-35)

Doch zuviel darf man sich vor allem als älteres Semester von diesem Bändchen nicht erwarten, auch wenn es unlängst in einer namhaften Gratiszeitung angepriesen wurde. Aber man erfährt auch sehr unmissverständlich, dass die Autoren oder auch die Herausgeber in deren Auftrag das Werk entstanden ist, konkret ein Mehrheitswahlrecht präferieren würden bzw. dieses gezielt in sehr günstigen Licht erscheinen lassen. Auch in dieser Hinsicht wird also versucht die jugendliche Zielgruppe zu "prägen", anstatt sie ihre eigenen Schlüsse ziehen zu lassen.

Vieles wird nicht sehr genau ausgearbeitet, wenn es beispielsweise heißt (S. 31): "Bis heute ist die FPÖ die Vertretung des "dritten Lagers", also jener die sich weder mit der ÖVP noch mit der SPÖ verbunden fühlen." Man erfährt nichts über Geschichte oder Bedeutung jenes dritten Lagers, dem der FPÖ überraschend das alleinige Vertretungsrecht zugesprochen wird und das lange Zeit als "national-liberales Lager" galt. Dieses dritte Lager hatte über die Jahre allerdings mit diversen Abspaltungen zu kämpfen, etwa dem liberalen Parteiflügel, das zum Liberalen Forum (LIF) wurde oder den Anhängern Jörg Haiders die 2002 die Koalition mit Wolfgang Schüssel fortführen wollten und ins BZÖ übertraten. Zum Entstehungszeitpunkt des Werks gab es immerhin noch zwei Parteien (BZÖ und FPÖ) die jede für sich die Führerschaft über das dritte Lager beanspruchten. Dass man sich bei Wahlen wie 2008 außerdem sehr gezielt mit SPÖ- und ÖVP-Themen um deren Wähler bemühte ist noch eine ganz andere Geschichte. Würde man der im Buch vertretenen Auffassung folgen das Dritte Lager wäre alles zwischen ÖVP und SPÖ, dann würden sich Grüne, die Tiroler Liste Fritz und sogar die KPÖ in diesem dritten Lager wiederfinden. Hier scheitert also schon die Aufklärung, die sich hier vielleicht zum ersten Mal informierenden Leser werden was die Bezeichnung "Drittes Lager" anbelangt in die Irre geführt.

Es sind Flapsigkeiten, die sich dennoch sehr ärgerlich auswirken. Was dem Büchlein klar fehlt sind die entsprechenden Hintergrundinformationen, welche das Werk auf die Zusammenfassung von Wikipedia-Artikeln reduziert. Es ist zwar interessant die Sozialpartnerschaft auf Seite 23 als "Schattenregierung", besonders im Dienste großer Koalitionen, bezeichnet zu sehen, was auch etwas genauer erklärt wird, aber dennoch fehlen anderenorts wieder genau solche zumindest grundlegenden Erklärungen zum politischen Diskurs.

Fazit:
Vom Preis-Leistungs-Verhältnis her ein leicht überteuerstes Werk, dessen großer Vorteil vor allem im lässig-lockeren Stil besteht, der sich direkt an die frischgebackenen Ab-16-Wähler und bis zu 2 Jahre jüngere Schüler wendet. Inhaltlich gibt es zwar wenig her, kann aber durchaus auch älteren Semestern empfohlen werden, da zumindest die Grundlagen gut zusammengefasst werden.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 22. September 2008
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